Kampf der gemeinen Plastiktüte!
Jan 11, 2008 ~ filed under: Australia & Deutsch & Well-informed ~ 4 comments »-DE-
Beim Weihnachtsshopping letzten Monat habe ich festgestellt, dass gerade Klamottengeschäfte dem Kunden die gekaufte Ware gerne in übergrosse Plastiktüten packen. Beispiel Esprit. Ich kaufte nur eine Hose und bekam eine Tüte, die so gross war, dass ich hätte ne Kaffeemaschine und nen Toaster drin verstecken können. Ausserdem war sie so dick, dass sie sich nicht mal besonders flach zusammenfalten liess. Ich sagte noch während des Einpackvorganges zu der netten Dame, dass sie ruhig eine kleine Tüte nehmen könne, aber sie entgegnete, dass sie nur diese grossen hätte.
Ich ärgerte mich, dass meine Handtasche zu klein war, beziehungsweise dass ich keine eigene Einkaufstasche dabei hatte. Selbst in Zeiten des Spontankaufs, wie es dieser auch einer war, sollte man doch eine kleine zusammengefaltete Tüte oder nen Baumwollbeutel dabei haben. Als Frau ja kein Problem, weil wir doch eh immer unsere Handtaschen mit uns herumschleppen. Da passt dann auch noch ein Jutebeutel rein.
Aber was bin ich froh, heute morgen bei prinzzess zu lesen, dass mein Lieblingsland Australien, neben China, der Plastiktüte den Kampf angesagt hat. Beide Länder wollen die Plastiktüte aus der Welt schaffen. Ein Beitrag zum Umweltschutz. Dazu muss man sagen, es handelt sich um die ganz dünnen Plastiktüten, die man meist nur einmal zum Transport vom Supermarkt nach Hause verwenden kann und danach wegschmeissen muss, weil sie entweder schon gerissen sind oder man sie für fast nix anderes gebrauchen kann, weil sie halt so dünn sind und nichts halten.
Diese Erfahrung hatte ich damals schon in Australien gemacht. Wenn man einkaufen war, wurde mit Plastiktüten nicht gegeizt. Man brauchte für einen normalen Einkauf an fast jedem Finger eine, um den Einkauf unbeschadet nach Hause zu bekommen. Schon damals habe ich mich gewundert, dass die Tüten dort so mega dünn sind, im Vergleich zu den stabilen mehrfach verwendbaren Tüten in Deutschland.
Nun wollen sie etwas ändern. Natürlich gibt es ganz andere Umweltprobleme, die man in den Griff bekommen sollte, aber warum nicht bei den kleinen Dingen anfangen. Das schärft das Bewusstsein jedes Einzelnen, wenn man auf einmal keine Plastiktüten mehr im Supermarkt bekommt. Das trifft die täglich einkaufende Masse doch direkt und man erinnert sich dann wieder an die eigentlich doch sehr böse Plastiktüte und wird einsehen, dass es doch auch anders geht. Ich bin gespannt, wie down under sich im Kampf gegen die Tüte schlägt. Vielleicht gibt es ja auch einen pfiffigen Designer oder eine/n Kreative/n im Land am Ende der Welt, der mit einer einfachen Idee so viel Erfolg erzielen kann.
Positiv ist mir da letztes Jahr Amerika aufgefallen. In unserem Lieblings-Supermarkt Trader Joe’s bekam man die typischen amerikanischen Papiertüten umsonst, während man für Plastiktüten ein paar cents zahlen musste. So soll es doch sein. Fand ich prima. Die Papiertüten waren sogar viel stabiler als das Plastik pendent und auch wesentlich größer. Dennoch haben die meisten Leute um mich herum die Plastiktüten gewählt. Für mich unverständlich, denn diese dünnen Teile reissen einem schon oft auf dem Weg zum Auto. Wer die nicht kennt, denke an deutsche Kosmetikeimer Tüten und halbiere die Dicke nochmals. Dann hat man ne typische amerikanische Plastiktüte.
Ach liebes Australien, ich bin stolz auf dich! Erst wird das Kyoto Protokoll nun doch unterzeichnet und jetzt der Kampf gegen die Tüte. Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Erreichung deiner Ziele und mach weiter so!
Hinzufügung am 14.Januar:
In Deutschland werden jährlich ungefähr vier Milliarden Plastiktragetaschen produziert. Üblicherweise werden sie aus Polyethylen (PE) hergestellt. Grundlage dafür ist Erdöl, eine natürliche Ressource, die immer knapper wird. Landet eine PE-Tüte auf der Deponie oder in der freien Natur, haben noch Generationen etwas davon – sie braucht schätzungsweise 400 Jahre, bis sie sich aufgelöst hat. Auch das Recycling ist keine grundsätzliche Lösung: Irgendwann landen die Recycling-Produkte, weil sie nicht noch einmal recycelt werden können, doch auf dem Müll. Also bleibt nur das Verbrennen. Dabei aber wird der Klimakiller Kohlendioxid freigesetzt.
[via Stern.de]
Hier wird das Thema für Kinder aufbereitet, unter anderem heisst es auch, “Ab 2010 sollen in Australien nur noch Energiesparlampen leuchten.”
No related posts.
{4 comments... read them below or add one →}
da man den mäll hier in sydney jeden tag rausbringen muss – sonst kommen die schaaaaaaaaaben nehme ich sie sogar als müllbeutel. und muss HeXXe zustimmen -in den badmülleimer pasen sie super. aber ich hab immer nur dann welche wenn ich meine grünen coles umwelttaschen vergessen hab… und ja – in klamottenläden gucken sie die immer groß an wenn du sagst: I don’t need a plastic bag, thanks.
Die grünen Coles Taschen sind super, habe sogar noch eine hier.
Für den Küchenmüll nehme ich biologisch abbaubare. Die Supermarkt Tüten nehme ich zum Einwickeln von Schuhen und Gedöns aller Art und verwende sie immer wieder, bis sie reissen. Das einzige was noch erfunden werden muss, ist eine ausreichend große Baumwoll- oder Jutetasche, die auch grosse Schuhkartons fasst. ![]()
p.s. Habe noch mal was Interessantes zum Thema Plastitüen Recycling im posting hinzugefügt.
[...] plastic bags per year, germans only 65 per year…i already wrote about the plastic bag debacle here. emigrationOZ, Natey&Cola [...]
Share your thoughts
RSS feed for comments on this post.
Trackback link to this post.
Die Tüten kann man sehr gut für den Mülleimer im Bad benutzen. Haben die Dinger hier ja auch zu Tausenden.