Die hohe Kunst der Kaffeezubereitung und andere Gedanken zur Arbeitswelt
Da bin ich nun eine erfahrene Kellnerin und man laesst mich in dem Restaurant (gehoert am besten in die Kategorie Steakhaus), in dem ich nebenbei als Kellnerin arbeite, keine Kaffees, Tees, oder sonstige Heissgetraenke zubereiten. Das duerfen nur die erfahrenen Kellner/innen, die den perfekten Kaffee zaubern koennen. Ich bin da nun in meinem dritten Monat und habe mehrmals nachgefragt, ob mir dann nicht mal jemand die ach so schwierige Kaffee-Mach-Maschine erklaeren moechte, damit ich auch endlich mal unabhaengig meinen Gaesten den Kaffee machen kann, ohne immer nen Kollegen oder Kollegin fragen zu muessen, ob sie mir eben mal nen Cappuccino, ne heisse Schokolade, einen short Macchiato und nen doppelten Espresso fuer Tisch 15 machen kann.
Dann hiess es, man koenne bei Beginn einer Schicht, wenn noch nichts im Restaurant los ist, Kaffee fuer das Kuechenpersonal machen und somit ueben. Gestern also gab es einen kurzen LIchtblick, als ich mitbekam, wie meine Kollegin eine Kaffee-Bestellung aus der Kueche bekam. Ich eilte ihr hinterher und fragte froehlicher Natur, ob das nun meine Chance waere, in die Kaffee-Mach-Uebung zu gelangen. Ich bekam ein Grinsen und es hiess nur Nein, das duerfen nur spezielle Leute. Ich wunderte mich, denn sie hatte mir doch zuvor gesagt, dass man gerade fuer das Kuechenpersonal ueben duerfte. Schlieslich vergrault man dabei ja keine Gaeste.
Sie fuegte hinzu, dass sie anfangs auch jeden Tag haette ueben muesse; das ging sogar ueber mehrere Monate, bis sie offiziell Kaffee machen durfte. Ich musste meine Zunge kraeftig zwischen den Zaehnen festhalten, um darauf nichts zu sagen. Ob ich denn denn den Kaffee von J. oder J. kennen wuerde, fragte sie mich. Die beiden wuerden hervorragenden Kaffee machen (meine stillen Gedanken: Herzchenverzierungen im Milchschaum z.B., was ja nichts ueber den Geschmack aussagt).
Ich dachte mir nur, langsam reicht es mir. Die beiden J’s haben NACH mir angefangen und sind gerade aus dem Buebchenalter heraus (18+).
Dieser Laden ist wirklich nicht vornehm oder irgendwie speziell…und vor allem kein Kaffeehaus, denn eigentlich gibt es Fleischspeisen und normale Kueche. Der Kaffee steht nur auf der Karte, weil der wohl in jede Restaurantkarte gehoert. Australien ist auch absolut kein Kaffeeland.
Warum stellen die sich so verdammt an? Ich habe denen auch gesagt, dass ich u.a. mehrere Jahre in einem (reinen) Cafe gearbeitet habe, aber auch das hat nichts bewirkt.
Es ist schon zum K…uehe melken. Mir wird einfach nichts zugetraut und wie soll ich zeigen, dass ich bestimmt genauso toll im Kaffee machen bin, wenn keiner mich an die verdammte Maschine laesst?
Ich bin hoch genervt und finde die ganze Kaffee-Geschichte echt laecherlich.
Es gibt einige, die nach mir angefangen habe, aber wohl so ne tolle Kaffee-Mach-History mitbrachten, dass sie von Anfang an den Kaffee machen durften.
Ich bekomme auch nur Schichten, in denen jemand mit mir im Team ist, der die Kaffeemaschine bedient. Es gibt auch extra Personen, die die Kasse bedienen duerfen und sonst keiner (was ich noch verstehe). Hier wird Leuten einfach nichts zugetraut oder es gibt einfach zu viele, die sich nicht gut anstellen. Ich habe mich daheim immer bestens angestellt, nur muss ich mich hier wohl noch oder nochmal neu beweisen.
Eigentlich wollte ich ja nicht mehr in meinem Leben kellnern, dachte ich doch das macht man halt wenn man eine arme Schuelerin/Studentin ist. Haette ich nen vernuenftigen Vollzeitjob, waere es wohl auch nie soweit gekommen.
Meine Haupttaetigkeit ist eine stundenbasierte Taetigkeit an einer der hiesigen Universitaeten, und das Budget ist begrenzt, ausserdem laeuft mein Vertrag diesen Monat aus.
Aber ich arbeite daran schnellstens etwas Neues zu finden, dachte ich doch, wie die vielen Stimmen mir motivierend sagten, dass es einfach sei, wenn man den Fuss bereits in einer Firma/Organisation/Tuer drin hat, man dann auch einfach an weitere (interne) Jobs kaeme. Aber dann ist da noch das Vitamin B’chen und das Perther Netzwerk und ueberhaupt die Connections, die hier ganz besonders wichtig seien. Selbst fuer die Australier ist es momentan schwer. Und ich bin halt immer noch ein Auslaender hier in Perth, der nem Aussie vielleicht nen Arbeitsplatz wegnehmen koennte. Ein Master of irgendwas hilft da ueberhaupt nichts. Meine deutsche Herkunft mitsamt allen Tugenden sowieso nicht und selbst mein unbeschraenktes Arbeitsvisum, was hier unter Auslaendern ne Rariaetaet ist, hat anscheinend keinen zu sehr vom Acker gehauen. Die Zeiten sind hart(z).
Heute habe ich leider wieder ne Absage bekommen. Diesmal heisst es, es gab ne Flut an Bewerbern und das Differenzmodel war Erfahrung, wo ich anscheinend nicht mithalten konnte. Sehr zu meiner Beweunderung, denn es passte wie Arsch auf Eimer. Dann habe ich mich wohl nicht richtig verkauft. Letzte Woche wurde mein Vorstellungsgespaech bei einer anderen Firma einen Tag vorher mit der Begruendung abgesagt, weil das Unternehmen momentan einfach nicht die finanziellen Mittel habe, neue Mitarbeiter einzustellen (ich hatte dort schon vorher gearbeitet, Vitamin B war also vorhanden, die kannten meine Nase und den Job hatte ich eigentlich so gut wie sicher, vor allem, da die drei Personen in der gleichen Abteilung gesucht hatten), und bei einer weiteren, anderen Bewerbung kam es gar nicht erst zum Vorstellungsgespraech, was mich echt leicht schokierte; war ich es doch fast gewohnt, bisher immer eingeladen zu werden.
Da hatte ich letztes Jahr wohl noch Glueck, auf jede Bewerbung wenigstens ne Einladung zum Interview erhalten zu haben…
Es ist eine wirtschaftlich schwierige Zeit, nun auch in Perth. Frustrierend.
Feb 18, 2009 - A-life | 0 comments »No comments so far.
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